31. Januar 2015

Leseeindruck: Ruhm

Ruhm
von Daniel Kehlmann
rowohlt Verlag
208 Seiten
(meine Version: 202 Seiten)
18,90 €

Daniel Kehlmann war mir bereits von Die Vermessung der Welt bekannt. Diesen Roman habe ich - zugegeben - abgöttisch geliebt. Deswegen hatte ich von vorn herein große Ansprüche an Ruhm.

Wie es bereits auf dem Cover steht: dies ist kein gewöhnlicher Roman, sondern man findet darin neun Kurzgeschichten. Sie stehen allerdings alle in Verbindung. Da ist zum Beispiel der Mann, der sich ein Handy kauft und dem aus Versehen eine bereits vergebene Nummer zugeteilt wird. In einer anderen Geschichte geht es um den mit seinem Leben überforderten Abteilungsleiter, der das Vertauschen der Nummern zu verschulden hat. Und so weiter und so fort. Die Geschichten sind alle durch solche Elemente miteinander verbunden und geben so doch wieder einen Gesamtroman ab. In den Geschichten geht es jeweils um Menschen, die ihren ganz persönlichen "Ruhm" einheimsen wollen. Ob nun der Nerd im Forum, der als besonders toller Nutzer hervorstechen will. Oder der Mann, der die Nähe einer Affäre sucht um sich wieder begehrt zu fühlen. Ruhm heißt nicht, berühmt zu sein. Sondern es heißt: jemanden darstellen. Zumindest in diesem Roman. Dabei passiert auch gar nicht wirklich etwas, nichts Aufregendes, kein Spannungsbogen. Die Geschichten sind aus dem Alltag gegriffen und mit einer Sprachgewalt beschrieben, dass es einfach ein Genuss ist sie zu lesen.  Dabei fehlt jedoch jenes erfüllende Gefühl eines Happy Ends, aber das ist auch gut so. Die Geschichten brechten so rasch wieder ab, wie sie angefangen haben. 

Ich war sehr überrascht von den verschiedenen Geschichten. Es hat ein Stück gedauert, bis sich in meinem Kopf dieses Gesamtgebilde konstruieren ließ. Die Geschichten selbst sind auch je ein wenig anders geschrieben. Ganz besonders auffällig sind z.B. die vielen Anglizismen und die Verwendung von "Internetsprache" in einer der Kurzgeschichten.  Die Handlung selbst steht hinter der Sprache fast schon ein ganzes Stück zurück. Die Verkettungen sind zwar sehr geschickt angelegt, aber die Geschichten selbst  keinesfalls umwerfend. Einfach alltäglich. Aber Kehlmann versteht es, durch seine Sprache gerade dieser Alltäglichkeit etwas Besonderes zu verleihen. 


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