4. Dezember 2013

Rezension: Tartufo v. Zdral

Titel: Tartufo
Autor: Wolfgang Zdral
Verlag: Heyne
Seiten: 352
Preis: 8,95 €

Inhalt

Matteo Gobetti. Einfach tot! In der Nähe seines Bauernhofes, den er gemeinsam mit Haushälterin Maria, seinem Sohn Paolo und dessen Ehefrau Eleonora bewohnt, wird der leblose Körper des Trüffelsuchers, der Verdi, gutes Essen und Wein liebt, gefunden. Seinem Trüffelschwein Leonardo bricht das Herz. Er und seine Freunde, das junge Schwein Caruso, die benachbarte Schweinedame Cleopatra  und die zwei Wildschweine Diogenes und Hannibal,  glauben nicht an einen Unfall. Grund zum Mord gibt es genug. Denn schon allein Matteos Trüffelkarte, auf der alle wichtigen Fundorte verzeichnet sind, ist Gold wert und Objekt der Begierde verschiedener Leute. Doch wer war nun der Mörder? Matteos Sohn, der an das Erbe heran wollte? Die gierigen Nachbarn? Oder doch die karriereveressene Trüffelhändlerin Rebecca? 

Während Kommissar Grifone im Dunkeln tappt, beginnen Leonardo und seine Freunde, die Ermittlungen selbst in die Hand - pardon - in den Rüssel zu nehmen. Und werden dabei fündig! Mithilfe des Verdi-kennenden Jungschweins Caruso lösen sie die von Matteo hinterlassenen Rätsel und kommen so allmählich auf die Schliche der Trüffelkarte und decken ganz nebenbei ein dunkles Familiengeheimnis auf.

Meinung

Schon beim Lesen des Klappentextes dachte ich an Glennkill. Der Besitzer eines Tiers stirbt auf merkwürdige Weise und dann ermittelt das Tier? Klingt mir stark nach dem Schafskrimi. Und das Lesen hat meinen Eindruck nicht verändert: Tartufo erinnert stark an den Krimiroman von Leonie Swann. Wer dem Roman das aber verzeihen kann und möchte, kommt voll auf seine Kosten. Tartufo ist ein wirklich urkomischer Roman. Zdral wirft immer wieder witzige Passagen ein, in denen die menschlichen Größen auf die Schweine umgemünzt werden. So zum Beispiel:

"Na dann leg mal los, du Minnesänger." Hannibal deutete auf die Tür. Vielleicht gelang der Plan und Diogenes trällerte tatsächlich wie Carusos Vorfahre Walther von der Schweineweide. Dem hatten Burgfräulein nach seinem musikalischen Vortrag reihenweise ihre Nachthemden zugeworfen. Und ihre Nachttöpfe."

Bemerkenswert finde ich zudem die Kenntnis des Autors. Beim Lesen erwecken die kleinen Details den Eindruck, als habe Zdral sich sehr ausführlich mit der Materie beschäftigt, wenn er nicht sogar selbst praktische Erfahrungen gesammelt hat. Einen kleinen Abzug bekommt der Roman, weil die Idee eben nicht neu ist. Aber da es sich um einen wirklich witzigen und liebevoll geschriebenen Roman handelt, gebe ich vier Punkte.

Zitate

Eingeborene in Deutschland vom Stamm der Bayern tragen stolz Eberzähne an silbernen Ketten zu ihren Lederhosen, wenn sie bei ihren Bierfesten auf die Balz gehen. [...] Keiner aus diesem Bergvolk käme auf die Idee sich einen Hundezahn umzuhängen.

Ihre verkümmerten Geruchsdetektoren reichten gerade mal, alte Socken hinterm Schrank zu bemerken - oder offene Klotüren. Grobzeug, für diffizile Aufgaben ungeeignet.  


 

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